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Das Objekt

Schräg von oben aufgenommenes schwarz-weiß-Foto zweier junger Männer, die den Vorbau eines Gebäudes betreten. Der hintere der beiden hält dem anderen die Glastür auf und schaut aus dem rechten Bildrand, während dieser durch die Tür geht. Links von der Tür hat der Vorbau eine Front aus Glasziegeln, oben hängt die Hausnummer 26. Außer dem Teil eines vergitterten Fensters links ist vom Rest des Gebäudes nichts zu sehen.

Stasi-Observationsfoto: Einer der Männer (links), die an dem Attentat auf die West-Berliner Diskothek "La Belle" beteiligt waren, beim Betreten der libyschen Botschaft in Ost-Berlin, Juni 1986

In der Nacht zum 5. April 1986 verübten Terroristen einen Bombenanschlag auf die West-Berliner Diskothek "La Belle". Diese war besonders bei US-Soldaten beliebt. Schnell tauchte die Vermutung auf, der libysche Machthaber al-Gaddafi, ein erwiesener Gegner der USA, sei Drahtzieher des Attentats. Die Stasi wusste, dass Anschlagsplanungen im Gange waren: Zwei der Attentäter waren für sie als IM tätig, ebenso einer der Hintermänner.

Quelle: BArch, MfS, AIM, Nr. 25400/91, Teil II, Bd. 4, Bl. 71

Wie verhielt sich die Stasi gegenüber dem internationalen Terrorismus?

Seit den 1960er-Jahren keimten weltweit Terrorgruppen auf. So führten linksradikale oder pro-palästinensische Gruppen Bombenattentate, Flugzeugentführungen und Geiselnahmen durch, auch in der Bundesrepublik. Die Stasi versuchte, Terrorakte gegen die DDR zu verhindern und gewährte Terroristen zugleich Unterstützung. Die gemeinsame Frontstellung gegen den Westen machte das möglich. Das Risiko für die DDR war hoch: Wären ihre Verbindungen zu Terroristen wie Ilich Ramírez Sánchez alias „Carlos“ oder der RAF publik geworden, hätte dies schwere außenpolitische Schäden bedeutet.

Der libysche Machthaber Muhammar al-Gaddafi (li.) im Gespräch mit DDR-Staatschef Erich Honecker während eines Staatsbesuchs in der DDR am 26. Juni 1978

Der libysche Machthaber Muhammar al-Gaddafi (li.) im Gespräch mit DDR-Staatschef Erich Honecker während eines Staatsbesuchs in der DDR am 26. Juni 1978

Das SED-Regime pflegte gute Kontakte zu autoritären und sich als sozialistisch darstellenden Machthabern in Nord-Afrika und dem Nahen Osten. Waren diese, wie al-Gaddafi, in den internationalen Terrorismus verwickelt, stellte das kein Hindernis dar. Im Gegenteil: Attentate im Westen konnten für gesellschaftliche Verunsicherung und Destabilisierung sorgen.

Quelle: BArch, Bild 183-T0626-040, Fotograf: Peter Koard

Schwarz-weiß Foto: Blick über das Vorfeld des Flughafens. Im Hintergrund ist das Terminalgebäude zu erkennen.

Stasi-Foto des Flughafens Schönefeld bei Ost-Berlin, 1980er-Jahre

Aufgrund der Haltung der DDR zum internationalen Terrorismus bot der Flughafen Schönefeld Terroristen gute Reisebedingungen. Sie konnten weitgehend ungehindert in die DDR ein- und ausreisen oder sich von dort aus nach West-Berlin und damit in die Bundesrepublik einschleusen. Das SED-Regime tolerierte diesen Transitverkehr.

Quelle: BArch, MfS, HA PS, Fo, Nr. 161, Bild 10

Weißes Papier, Überschrift in Rot: „Anarchistische Gewalttäter – Baader/Meinhof-Bande –“. Darunter schwarze Druckschrift und 19 schwarz-weiß Passfotos von Männern und Frauen. Das Ganze ist rot umrandet-

Fahndungsplakat der Westdeutschen Polizei nach RAF-Terroristen, um 1971

Die RAF war aus der Studentenbewegung der 1960er-Jahre hervorgegangen. Mit der DDR teilte sie die Ansicht, die Bundesrepublik sei von „Faschisten“ unterwandert und das dortige Wirtschaftssystem unterdrücke die Menschen. Ihre tödlichen Attentate sollten diese Verhältnisse stürzen. Als der Fahndungsdruck der westdeutschen Behörden in den späten 1970er-Jahren größer wurde, nutzten sie die DDR als Rückzugort. Die Stasi begann, sie zu unterstützen.

Quelle: BArch, Plak 006-001-058

Schwarz-weiß Foto einer Straßenszene: Mehrere Menschen, darunter uniformierte Einsatzkräfte und Zivilpersonen, stehen um eine stark beschädigte Limousine mit eingedrücktem Kofferraumdeckel und zerstörter Heckscheibe. Einige Personen blicken in das Fahrzeug oder sprechen miteinander. Im Hintergrund sind ein mehrstöckiges Gebäude, weitere Menschen sowie eine Brücke über einen Fluss zu sehen.

Der Dienstwagen des US-Generals Frederick Kroesen nach einem Attentat durch die RAF in Heidelberg am 15. September 1981

Anfang der 1980er-Jahre schulten Stasi-Mitarbeiter westdeutsche Linksterroristen im Umgang mit Waffen, dazu gehörten Panzerfäuste. Mit einer solchen Waffe feuerte der RAF-Terrorist Christian Klar im September 1981 auf Kroesens Limousine. Dieser überlebte den Anschlag leicht verletzt.

Quelle: dpa

Gelbliches A4 Blatt mit schwarzer Maschinenschrift: Überschrift „Information zu Aktivitäten von Vertretern der palästinensischen Befreiungsbewegung in Verbindung mit Internationalen Terroristen zur Einbeziehung der DDR bei der Vorbereitung von Gewaltakten in Ländern Westeuropas“ Der Text informiert über die damals aktuellen Entwicklungen im Bereich des Terrorismus aus Sicht der Stasi. Schwerpunkt sind terroristische Netzwerke im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt sowie deren Verbindungen zu West-Deutschen Terrorzellen wie der Roten Armee Fraktion. Brisant ist, dass der Stasi bewusst war, dass international gesuchte Terroristen wie "Carlos" vom Gebiet sozialistischer Staaten operierten, auch von Ost-Berlin aus.
Gelbliches A4 Blatt mit schwarzer Maschinenschrift: Der Text informiert über die damals aktuellen Entwicklungen im Bereich des Terrorismus aus Sicht der Stasi. Schwerpunkt sind terroristische Netzwerke im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt sowie deren Verbindungen zu West-Deutschen Terrorzellen wie der Roten Armee Fraktion.  Brisant ist, dass der Stasi bewusst war, dass international gesuchte Terroristen wie "Carlos" vom Gebiet sozialistischer Staaten operierten, auch von Ost-Berlin aus.
Gelbliches A4 Blatt mit schwarzer Maschinenschrift: Der Text informiert über die damals aktuellen Entwicklungen im Bereich des Terrorismus aus Sicht der Stasi. Schwerpunkt sind terroristische Netzwerke im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt sowie deren Verbindungen zu West-Deutschen Terrorzellen wie der Roten Armee Fraktion.  Brisant ist, dass der Stasi bewusst war, dass international gesuchte Terroristen wie "Carlos" vom Gebiet sozialistischer Staaten operierten, auch von Ost-Berlin aus.

Stasi-Informationsbericht zum internationalen Terrornetzwerk um „Carlos“ vom 3. Mai 1979 (Auszug)

„Carlos“ tauchte 1979 in Ost-Berlin unter und nutzte die DDR als Basis. Die Stasi war sich der politischen Risiken voll bewusst. Zuvor hatte „Carlos“ unter anderem das palästinensische Terrorkommando der PFLP (Volksfront zur Befreiung Palästinas) geleitet, dass 1975 in Wien beim OPEC-Ministerkongress 62 Geiseln nahm, darunter die Erdöl-Minister von 11 Staaten. Drei Geiseln kamen ums Leben.

Quelle: BArch, MfS, HA XXII, Nr. 18613, Bl. 277-279

Schwarz-weiß Foto: Blick vom Dach des in der Uhlandstraße gegenüberliegenden Hauses auf das stark beschädigte Maison de France. Feuerwehrmänner klettern über die Trümmer auf dem Bürgersteig, Einsatzkräfte der Polizei sind in der Umgebung des Gebäudes zu sehen.

Das Maison de France am Kurfürstendamm in West-Berlin, Sitz des französischen Kulturinstituts sowie des französischen Generalkonsulats, nach dem Bombenanschlag vom 25. August 1983

Den Anschlag hatte Johannes Weinrich geplant, der als rechte Hand von "Carlos" galt. Die Stasi unterstützte ihn: 1982 hatte sie von Weinrich auf dem Flughafen Schönefeld 24 kg Sprengstoff beschlagnahmt. Ein Offizier der Stasi-"Terrorabwehr" Abt. XXII nahm den Koffer an sich und gab ihn nach einem Jahr wieder an Weinrich heraus. Danach gelangte der Sprengstoff unter den Augen der Stasi über die syrische Botschaft in Ost-Berlin nach West-Berlin. Der Anschlag kostete ein Menschenleben, 23 wurden verletzt.

Quelle: Günther Peters / AP

Was war die Abt. XXII?

Die 1975 zur "Terrorabwehr" gegründete Abt. XXII war der Hauptakteur der Stasi-Terrorismusstrategie. Sie war für die Beobachtung, Bekämpfung und Unterstützung von Terrorgruppen verantwortlich. Zugleich sollte sie Gefahren für das SED-Regime abwehren. Auch zur westdeutschen RAF hatte sie enge Kontakte. 1989 entstand aus den Abteilungen XXII und XXIII (bis 1988 AGM/S) die HA XXII.

Älterer Mann in braunem Anzug und weißem Hemd schräg von vorne in einem Raum. Das spärliche mittelbraune Haar ist über dem linken Ohr gescheitelt. Sein Blick ist leicht gesenkt, der Mund leicht offen. Im dunklen Hintergrund sind rot-weiß karierte Deko-Stoffe an einer Art Bude zu erkennen.

Oberst Harry Dahl, Leiter der Abt. XXII, bei einer "Jahresabschlussfeier" im "Objekt 76" in Helenenau am 28. Dezember 1982

Dahl war ab 1975 bis 1985 der erste Leiter der Abt. XXII. Unter seiner Führung knüpfte die Abt. XXII die Kontakte zur RAF, bis hin zur Aufnahme und Ansiedlung von RAF-Aussteigern unter falscher Identität in der DDR. Dahls Dienstsitz war das Stasi-Sperrgebiet in Berlin-Hohenschönhausen. Dort arbeitete der Großteil der 1988 knapp 250 Mitarbeiter. Damit war die Abt. XXII eine eher kleine, aber hoch spezialisierte Stasi-Diensteinheit.

Quelle: BArch, MfS, HA XXII, Fo, Nr. 121, Bild 10

Schwarz-weiß Foto: Blick über eine Rasenfläche auf ein rechtwinklig aus zwei Flügeln bestehendes, schmuckloses Gebäude mit zwei Geschossen. Die Stirnwand des linken Gebäudeflügels ist im Vordergrund zu sehen. Rechts daneben ist über eine gepflasterte Fläche der rechte Flügel mit Eingang zu sehen. Davor steht ein Kleinbus.

Gebäude des "Objekts 76" der Stasi im brandenburgischen Helenenau, um 1980

Die Abt. XXII Betrieb mehrere geheime Ausbildungsstützpunkte außerhalb Berlins, darunter das "Objekt 76". Hier wurden auch die Spezialkräfte der Abt. XXII trainiert, die Beobachtungs- und Personenschutzaufgaben hatten. Die Abt. XXII arbeitete auch innerhalb der Stasi streng konspirativ. Daher verfügte sie, anders als andere Diensteinheiten, über eigene Kräfte sowohl für die Beobachtung, als auch den Schutz von Personen.

Quelle: BArch, HA XXII, Fo, Nr. 70, Bild 9

Schwarz-weiß Foto eines Innenhofs zwischen eingeschossigen Gebäuden. Im Hintergrund steht ein Backsteingebäude mit Satteldach und mehreren Fenstern. Ein gepflasterter Weg führt durch den Hof, der seitlich von kleinen Rasenflächen eingerahmt wird. Auf der rechten befindet sich eine Gartenschaukel sowie ein Tisch mit Stühlen. Links im Bild steht ein eingeschossiger Neubau-Gebäudetrakt. Rechts im Vordergrund ist ein Teil der Außenwand eines weiteren Gebäudes zu sehen. Bäume ragen hinter den Gebäuden empor.
Gelbes Formblatt mit schwarzem Tabellenvordruck, darin eine handschriftliche Liste in blauer Tinte, welche die jeweiligen Aufenthalte von mit Deck- oder Stasi-Vorgangsnamen bezeichneten Personen im "Objekt 74" sowie der Name des jeweils verantwortlichen Stasi-Offiziers aufführt.
Gelbes Formblatt mit schwarzem Tabellenvordruck, darin eine handschriftliche Liste in blauer Tinte, welche die jeweiligen Aufenthalte von mit Deck- oder Stasi-Vorgangsnamen bezeichneten Personen im "Objekt 74" sowie der Name des jeweils verantwortlichen Stasi-Offiziers aufführt.

Innenhof des konspirativen „Objekts 74“ In Briesen, wo die Stasi internationale Terroristen unterbrachte (oben, o.D.) sowie ein Auszug aus dem „Besucherbuch“ des Komplexes, 1980 bis 1985

Die Abt. XXII beherbergte Im „Objekt 74“ unter anderem aktive RAF-Mitglieder zur Schulung an Waffen. RAF-Aussteiger bereitete sie dort auf ein Leben unter falscher Identität in der DDR vor. Im Besucherbuch vermerkte die Stasi sie und andere Gäste unter deren Decknamen: OV „Stern I“ waren terroristisch aktive RAF-Mitglieder, OV „Stern II“ RAF-Aussteiger. KP „Friedrich“ war der westdeutsche Neonazi und Stasi-IM Odfried Hepp. Hinter „Händler“ verbarg sich die palästinensische Terrorgruppe „Abu Nidal“ und unter KP „Bert“ führte die Stasi die „Japanische Rote Armee“.

Quelle: BArch, MfS, HA IX, Fo, Nr. 593, Bild 219 (oben)

Quelle: BArch, MfS, AIM, Nr. 264/91, Bd.1, Bl. 18 f.

Graues knittriges A4 Blatt mit schwarzer Maschinenschrift: Der mit "Streng Geheim" klassifizierte Bericht enthält unter anderem die Angabe, dass der KGB vermutete, der BND wisse vom Aufenthalt der Terroristin in der DDR.

Stasi-Bericht über den Abzug von IM "Anja Weber", der RAF-Terroristin Silke Maier-Witt, aus Erfurt, 23. Juli 1986

Die Abt. XXII hatte Silke Maier-Witt 1980 im „Objekt 74“ aufgenommen, geschult und mit gefälschter Identität in Erfurt angesiedelt. 1986 zog die Stasi sie plötzlich von dort ab – sie befürchtete Maier-Witts Enttarnung. Maier-Witt kam erneut für mehrere Monate ins „Objekt 74“. Danach lebte sie unter einer wieder neuen Identität in Neubrandenburg.

Quelle: BArch, MfS, HA XXII, Nr. 19481, Bl. 46

Schwarzweißfoto der Berliner Mauer mit Grafitti

„Es lebe die illegale KPD/ML Sektion DDR“: Graffito auf der West-Seite der Berliner Mauer, 26. Juni 1984

Die westdeutsche KPD/ML war eine kommunistische Kleinpartei, die aus den Studentenprotesten der 1960er-Jahre hervorgegangen war. Sie versuchte in den 1970er-Jahren in der DDR eine links-oppositionelle Untergrundgruppe aufzubauen. Die Abt. XXII hatte bei ihrer Bekämpfung die Federführung. Die Stasi verfolgte ihre Mitglieder und Kontaktleute in der DDR und zerschlug die „Sektion DDR“ schließlich.

Quelle: BArch, Bild 210-0653, Fotografen: Burkhard Maus und Philipp J. Bösel

Ein weißes Flugzeug steht auf einer Fläche mit Betonplatten inmitten einer grünen Landschaft. Am Heck ist eine Leiter angelegt, an der ein Mann mit Helm und Kampfweste steht. Auf der Tragfläche sind zwei weiter Männer geduckt. Auch sie tragen Helme und Westen.
Neun Männer, überwiegen in blauen Jeans und T-Shirts liegen nebeneinander auf dem Bauch auf einer kargen Wiese und Männer im Gras liegend mit verschiedenen Gewehren und einer Pistole. Sie zielen auf etwas. Im Hintergrund ein mit langem Gras bewachsener Hügel, ein roter Pkw und ein blauer Lkw.

Kampfausbildung der AGM/S im geheimen Objekt "Walli" bei Prenzlau, 1980er-Jahre

Die AGM/S sollte mit militärischen Mitteln Terrorangriffe abwehren und Terroristen bekämpfen. Ihre "Flugsicherungsbegleiter" waren auf jedem Flug der DDR-Fluggesellschaft Interflug dabei, wo sie im Falle von Bedrohungen wie Flugzeugentführungen eingreifen sollten. 1989 bildete sie mit der Abt. XXII die nun rund 900 Mann starke HA XXII.

Quelle: BArch, MfS, HA XXII, Fo, Nr. 176, Bild 19 (oben)

Quelle: BArch, MfS, HA XXII, Fo, Nr. 178, Bild 30

Was geschah vor und nach dem Anschlag auf das "La Belle"?

Die Stasi hatte mehrere IM im Umfeld der libyschen Botschaft in Ost-Berlin eingesetzt. So erfuhr sie bereits Tage vor dem Bombenattentat auf die Diskothek "La Belle", dass libysch-palästinensische Terroristen einen Anschlag auf eine "Disko für US-Soldaten" in West-Berlin planten und vorbereiteten.  Sie unternahm aber nichts, um den Anschlag zu verhindern.

Gelbliches A4 Blatt mit schwarzer Handschrift (Kopie) teilweise anonymisiert
Gelbliches A4 Blatt mit schwarzer Handschrift (Kopie) teilweise anonymisiert

IM-Bericht über Anschlagsvorbereitungen libysch-palästinensischer Terroristen auf US-Soldaten in West-Berlin, März 1986 (Auszug)

Quelle: BArch, MfS, HA II, Nr. 32876, Bl. 42-43

Transkript

-2-
Weiterhin wurde eine Disko für US-Soldaten in
der Nähe vom Flughafen Tempelhof oder in Marien-
felde gesucht. Am 25.3.86, 18.00 Uhr lag zur
Disko noch kein konkretes Ergebnis vor.

Durch den Beginn der Aggressionshandlungen
der USA gegen Libyen sollen jetzt die beabsichtigten
Terrorhandlungen in Westberlin realisiert werden.
Diese Aussagen wurden von den Mitarbeitern
der libyschen Botschaft

[anon.]
Yaser Shredi
am 25.3.86 gegen 18.00 Uhr bestätigt.
[...]

In dem folgenden Gespräch ging es um
die Realisierung eines Anschlags gegen eine
US-Einrichtung in Westberlin.
-3-

-3-
Der Anschlag soll sich gegen die oben genannte
Disko richten.
Beide führten jeweils einen Koffer mit sich.
In den Koffern befanden sich

7 Handgranaten
2 Maschinenpistolen
3 Pistolen mit Schalldämpfer

Die Waffen sind zur Zeit in der oben genannten
Wohnung gelagert.

Es wurde davon gesprochen, noch am 25.3.86
den Anschlag zu realisieren. Sollten organisatorische
Schwierigkeiten auftreten, wurde der Anschlag
für den 26.3.86 vorgesehen.
Schwierigkeiten gibt es zur Zeit noch mit dem
konkreten Objekt und der Bereitstellung entsprechender
Pkw.
Am 25.3.86 in den späten Abendstunden soll
über das weitere Vorgehen entschieden werden.
[...]
 

Blick von der Straße aus auf das zerstörte und abgesperrte "La Belle". Auf dem Gehweg liegen Schutt und Trümmer. Rechts im Bild ein grüner LKW der Polizei. Links steht ein Polizist und zwei Männer in Zivil, von denen einer einen weißen Helm trägt. Am Haus ist ein Baugerüst, an dem eine rote Plane mit der Aufschrift: „Disco La Belle Club“ hängt.

Vorderfront der zerstörten Diskothek "La Belle" in Berlin-Friedenau, April 1986

Kurz vor 2 Uhr morgens am 5. April 1986 explodierte eine Nagelbombe im "La Belle". Bei dem Anschlag starben drei Menschen und es gab viele Schwerverletzte.

Quelle: dpa

Der Bericht gibt detaillierte Informationen, die die Stasi von Mitarbeitern der Botschaft des Irak in Ost-Berlin erhalten hatte.

Information der Stasi über die Hintergründe des Sprengstoffanschlags auf die West-Berliner Diskothek "La Belle" am 15. April 1986

Auch nach dem Anschlag hielt die Stasi ihre Kenntnisse zurück und half nicht bei der Aufklärung des Anschlags.

Quelle: BArch, MfS, HA XX, AKG, Nr. 154, Bl. 558

Transkript

15.04.1986

über die Hintergründe des Sprengstoffanschlages auf die
Disokthek in Westberlin am 05.04.1986

Am 14.04.1986 wurde aus Gesprächen mit einigen verantwort-
lichen Mitarbeitern der irakischen Botschaft, u. a. mit dem
Sekretär der irakischen Baath-Partei, Hazaa, Ajej,
weiter bekannt:

Hazaa, Ajej sowie die anderen sprachen übereinstimmend davon,
daß die Mitarbeiter der libyschen Botschaft in der DDR für den
Sprengstoffanschlag in der Westberliner Diskothek „La Belle“
verantwortlich sind.
Mitorganisator des Sprengstoffanschlags sei der Palästinenser

Yussel el Chreidi

Durch die irakische Botschaft wurde ein Telefongespräch der
lybischen Botschaft abgefangen, aus dem der Anschlag als er-
folgreich gemeldet wurde, mit der Bemerkung, „daß alles in
Ordnung sei und sich Beteiligte in Brüssel aufhalten“.

[...]

Schwarz-weiß Foto: Ein Mann mit dunklen Haaren und Schnurrbart in hellem Hemd und Jeans wird von einem Mann in Sakko und Krawatte an Arm und Nacken gehalten und eine Gangway hinab geführt. Der Geführte hält die Hände gefaltet vor der Brust, als ob er mit Handschellen gefesselt wäre.

Der an dem Attentat auf die Diskothek "La Belle" beteiligte Palästinenser Chraidi nach seiner Verhaftung auf dem Flughafen Schönefeld, 1996

Erst nach dem Ende des SED-Staats konnten durch Hinweise aus den Stasi-Akten vier Attentäter überführt werden. Zwei Palästinenser, ein Libyer und eine Deutsche wurden im Jahr 2001 zu Haftstrafen zwischen 12 und 14 Jahren verurteilt.

Quelle: picture-alliance / dpa, Fotograf: Andreas Altwein

Was ist ein archivierter IM-Vorgang (AIM)?
 

Das Observationsfoto der libyschen Botschaft stammt aus einem archivierten IM-Vorgang. Von 1951 bis 1989 wurden im Zentralarchiv in Berlin ungefähr 227.000 Vorgänge mit 422.000 Bänden abgelegt. Circa 13 % der Bände vernichtete die Stasi bis zu ihrem Ende. AIM gehören zu den registrierten Vorgängen und werden über die Personenkartei F 16 in Verbindung mit der Vorgangskartei F 22 recherchiert.

An den Rändern stark beschädigter Aktendeckel in gedecktem orange; eine große römische 1 füllt das obere Drittel. Er enthält Angaben zum Vorgang des IM Alba. Außerdem ist ein Signatur-Aufkleber des Stasi-Unterlagen-Archivs daraufgeklebt.

Aktendeckel des Vorgangs zum IM "Alba"

Seit den 70er Jahren verwendete die Stasi relativ neutrale Aktendeckel. Das kräftige Orange und die römische "I" gaben Stasi-Mitarbeitern Auskunft darüber, dass es sich um die Personalakte eines IM handelte. Hier die Akte des IM "Alba" mit der Registriernummer XV/6999/81. Die Akte wurde 1991 archiviert.

Quelle: BArch, MfS, BV Berlin, AIM, Nr. 8709/91, Aktendeckel

Das schwarz-weiß  Bild ist über eine Straße fotografiert. Es zeigt ein Fabrikgebäude aus der Gründerzeit. Die Wandflächen bestehen aus beigen Ziegeln, Gesimse aus rot-braunen Ziegelelementen. Davor stehen Bäume ohne Laub.
Farbfoto mit Blick über eine Grünfläche mit frisch gepflanzten Bäumen auf das aus einem Gebäuderiegel und -Turm bestehende, in Plattenbauweise errichtete BV-Gebäude

Stasi-Verwaltung Groß-Berlin (ab 1977 BV Berlin), Prenzlauer Allee 63–67 (oben)

BV Berlin ab 1985, Straße der Befreiung 60 (heute Alt-Friedrichsfelde 60)

Neben der Stasi-Zentrale gab es in Berlin noch die BV und 11 Kreisdienststellen (KD). Diese dienten zur Überwachung der Stadtbezirke in der DDR-Hauptstadt. Die BV Berlin war die einzige BV, die nicht im Dezember 1989 von Bürgern der DDR besetzt worden war. Ihre Auflösung leitete die Stasi selbst ein.

Quelle: BArch, MfS, BV Berlin, Fo, Nr. 1089, Bild 6 (oben)

Quelle: BArch, MfS, BV Berlin, Fo, Nr. 1089, Bild 3

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Fotodokumentation der Überwachung des Pfarrers Freimark, o.D. Pfarrer Freimark sowie eine männl. Person fotografieren die Absicherungskräfte
Braunes Dokument mit dunkler Schrift, links deutsch – rechts russisch, genietetes Passbild in schwarz-weiß – das Dokument wurde mit rotem Buntstift kreuzweise durchgestrichen.
Schwarz-Weiß-Foto einer Menschenmenge, die einen Panzer umringt, auf dem bewaffnete Soldaten sitzen.
Vergilbtes A4 Blatt, auf dem hochkant drei ca. 6 cm hohe Fahrkarten aus brauner Pappe mit schwarzem Ausdruck nebeneinander aufgeklebt sind. Auf der rechten steht in lila Schrift "Rückfahrt"
Ein aus Alufolie umwickelt mit rotem Krepppapier gebasteltes "A", verziert mit getrockneten Blättern.
Vergilbtes liniertes A4 Blatt mit blauer Handschrift – ein Wort ist geschwärzt.
Stasi-Karteikarte in DIN A6, blass gelb, enthält in dunkler Maschinenschrift persönliche Angaben zu Detlef S.; teilweise geschwärzt. Karte angelegt am 20. Dezember 1966.
Auf einem abgeschnittenen Bettlaken handgemalte Flagge der Tschechoslowakei.
Das Polaroidfoto zeigt eine tapezierte Wand, vor der ein Wählscheibentelefon steht. Das Telefonkabel führt in eine Verteilerdose an der Wand. Diese wurde auf dem Foto mit einem roten Pfeil markiert.
Ein Stück braunes Toilettenpapier, dass mit schwarzem Kugelschreiber beschrieben wurde.
Grauer Aktendeckel mit vergilbtem Etikett, in dunkler Farbe bedruckt unbeschrieben, links am Rücken 5 silberne Nieten, rechts ein silberner Metallbeschlag
Vergilbtes A4-Blatt mit dunkler Maschinenschrift, von links unten nach rechts ist ein transparenter roter Balken gedruckt.
Handschriftliche Planskizze mit Standort des Toten Briefkastens "Brücke" im Waldgebiet Lührmannwald in Essen und dem umgebenden Stadtgebiet.
Hellbraune Karte der Stadt Güstrow mit Überschrift „Aktion Dialog“, mit Eintragungen der Stasi zum bevorstehenden Besuch von Bundeskanzler Schmidt: aufgeklebte schwarz-weiß Fotos zeigen die geplanten Stationen der Besucherdelegation, farbige Markierungen zeigen Einsatzorte der Sicherheitskräfte.
Graublaue Karteikarte im Format DIN A4 quer mit persönlichen Angaben zu Erich Mielke.
Graues liniertes A4-Blatt mit blauer Handschrift
Schwarz-Weiß-Foto zweier Männer, die ein Gebäude betreten.
Vergilbte Seite im Querformat mit 7 aufgeklebten schwarz-weiß Fotos
Schwarz bedrucktes Stoffstück, auf dem ein Fisch abgebildet ist, der aus dem Wasser herausschaut. Der untere, sich im Wasser befindliche Teil des Fisches besteht aus Gräten. Überschrift "Umkehr zum Leben"
Schwarz-weiß Foto: Zwei uniformierte und bewaffnete Soldaten stehen in einem Hof, zwischen ihnen eine Plakette, die an die dort stattgefundene Ermordung Ernst Thälmanns erinnert, vor und neben ihnen eine Vielzahl von Blumen
Brauner Zettel mit Eintragungen, Stempeln und Unterschriften der zahlreichen Stellen, die Flüchtende im Notaufnahmelager Berlin-Marienfelde zu besuchen hatten.
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