Das Objekt

Notizen auf Toilettenpapier von Sylke Glaser, verfasst während ihrer Haft in der Stasi-Untersuchungshaftanstalt Rostock, 1. Mai 1988
Sylke Glaser kam im April 1988 wegen "öffentlicher Herabwürdigung" des SED-Regimes in die Stasi-Untersuchungshaftanstalt in Rostock. Sie schaffte es, einen Kugelschreiber in ihrer Zelle zu verstecken. Um die Isolation und die ständige Beobachtung auszuhalten, machte sie sich Notizen. Die Wachen entdeckten die Aufzeichnungen nach wenigen Tagen und beschlagnahmten sie.
Quelle: BArch, MfS, BV Rostock, AU, Nr. 1646/88, Bd. 1, Bl. 79
Transkript
(unten)
1.5.88
2. Tag in der UHA
Die Kontrollen waren am gestrigen
Tag fast unerträglich. Ich war
kaum mal 1-2 Minuten ohne Auf-
sicht.
Mittlerweile weiß ich schon, daß
Lutz ebenfalls hier in der UHA, sogar
auf meiner Etage ist.
Ich bin froh, daß ich vorläufig ei-
nen Kugelschreiber habe.
Seit vorgestern abend habe ich nichts
Mehr zu mir genommen. Es geht mir
ganz gut.
Mal sehen, wie lange ich es dies-
bezüglich aushalte.
(oben)
Im Augenblick bin ich todmüde.
Mir fallen regelrecht die Augen zu.
Die Schwindelgefühle traten gestern
wieder auf, allerdings nur für kurze
Zeit.
Im Augenblick ist es hier ziemlich ruhig.
Wer weiß, ob es heute noch nach
draußen geht? Der Himmel ist bewölkt,
und es wird sicherlich auch recht kühl
sein.
Die Kontrollen finden jetzt nur noch
alle 5-8 Minuten statt. Zum Glück!













